Hier gibt`s jede Menge Geschichten:

       
  Dezemberflucht im Januar 2012  
  Das Trompetenduell im Februar 2011  
  Süße Ritter an der Tafelrunde im Dezember 2010  
  Die Timberlands im Juni 2010  
  Die Notebookverwebbung im März 2010  
  Schiffbruch ... im September 2009  
  Wenn der Ursprung zum Ziel wird im Dezember 2008  
  Der Gauklerwagen im Winter von kurz nach Weihnachten 2007  
  Der Bratenduft von Weihnachten 2007  
  Zwei Gehirnzellen vom August 2007  
  Die Hochzeit vom Juni 2007  
  Festtagsmahl vom Dezember 2006  
  Nachlese - Weinlese vom Oktober 2006  
  Zehntscheuer - Mehrwertsteuer vom Mai 2006  
  Entlassung 2005 vom Dezember 2005  
  Neue Bleibe vom November 2005  
  Andalusischer Schinken vom Juli 2005  
  Erwachen vom Mai 2005  
  Die Spätzlesgeschichte vom Februar 2005  
  Die Weihnachtsgeschichte von Weihnachten 2004  
  Der Ursprung vom Oktober 2004  
       
   
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Dezemberflucht

 

Ist es nicht so, dass im Weihnachtsmonat Dezember dem Menschen genau die Ruhe genommen wird, die man ihm, rücken die Feiertage näher, gerne als "geruhsame Tage" wünscht? Wer ist der Dieb, der sich dieser "Ruhe" skrupellos bemächtigte? So viele Grüße wollte ich in diesem Monat an Familie, Freunde, Bekannte, und an all die interessanten Menschen richten. An den geruhsamen Weihnachtstagen, wollte ich die Ruhe nutzen, um meinem Vorhaben gerecht zu werden. Doch ich fand die Ruhe nicht. Sie war nicht da. Wohin war sie gegangen? Geistreiche Stimmen gaben mir zu verstehen, dass die Ruhe geflohen wäre. Sie hat es im Dezember nicht mehr ausgehalten. Ihre Gegner brachen in bekannter Form über sie herein, dass sie beschloss, in den Januar zu fliehen. Dort wolle sie warten, bis sich der Feind zurück gezogen hat.
Ihr Lieben, nun weiß ich wo die Ruhe ist, und habe sie dort gefunden.

Der Gaukler wünscht allen für das neue Jahr erlebnisreiche Momente, ohne dabei die Ruhe aus den Augen zu verlieren

 
     
 
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Das Trompetenduell

 

Sollten die Fratzen der Duellanten merkwürdig verzerrt sein, oder deren Worte nicht lesbar sein oder gar beides, so liegt dies an eurem Werkzeug des Internetgottes Microsoft; dieser hat seine Schergen nicht im Griff. So glaubet an den anderen Gott: den Fuchs mit dem Feuer, dann werdet Ihr sehen!
So wollt Ihr nicht glauben an den Fuchsgott und trotzdem sehen, so klicket HIER

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Süße Ritter an der Tafelrunde

 

An einem kalten Wintertage, die Kokosflocken tänzelten lautlos vom zimtsternenbehangenen Himmel, trafen sich die Ritter Sport an der Schokoladentafel. Bis auf einen, erschienen auch alle pünktlich zur vereinbarten Stunde. Raffaelo, Sohn eines Fischers und zum Ritter aufgestiegen, stürzte erst zu später Stunde in den Saal herein. Die beiden Türwächter, zwei Mohrenköpfe, schauten verdutzt, gerade so, als käme er vom Mars. Raffaelo stolperte über ein paar herumliegende Dominosteine und fiel zu Boden. Die anderen lachten. Einer rief: "Warst wieder mal im Puffreis bei einer Tofifee? Du hast ja noch lauter Ferrero Küsschen auf der Backe". "Ihr habt gut lachen, während ich hier Rumkugel," schrie er wütend. "Mon Cheri" tönte eine süßliche Stimme, " lass sie doch lachen, die spielen ohnehin keine Prinzenrolle." " Wenn ich dich nicht hätte" sprach Raffaelo, " du bist ein wahrer fishermen`s friend." Dann stand der älteste in der Runde, der Lübecker Marzipan, auf und verkündete, dass ihm die Edlen Tropfen in Nuss, welche das Land unter ihre Herrschaft bringen wollen, ihm gewaltig auf den Butterkeks gingen. "Du Raffaelo und der Franzose, der Ferrero Rocher, ihr beide macht Kitkat aus ihnen. Wenn du noch Hilfe brauchst Nimm2 mit." "Aber es fehlt uns auch noch an Geld, um uns für die lange Reise zu bereiten, " sprach Raffaelo. " Nimm dir ein paar Pfefferminztaler aus dem Überraschungsei, das müsste schon reichen", erwiderte der Marzipan. " Merci" antwortete Raffaelo und machte sich auf den Milky way.

 
     
 
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Die Timberlands

 

So wär es nun an der Zeit, ein neues Geschichtlein zu erzählen aus dem Bereich:
Wahre Begebenheiten. Es trug sich zu auf unserem ersten Mittelaltermarkt zu Steinsberg anno 2010. Höret und vernehmet.

Die Burg liegt in den Kraichgau Highlands und so nimmt es nicht Wunder, dass einige der Maiden und Recken aus der allseits bekannten Kampfestruppe das dortige Geschehen mit ihrer Anwesenheit beehrten. Die Sonne, die sich in diesem Jahr noch sehr versteckt gehalten hatte, fand sich ebenfalls dort ein, und verbreitete warmherzige Freude. Die Gaukeleien waren über die Winterzeit noch nicht verlernt, und so konnte mein Spiel freudvoll alle erreichen, die sich in die Runde der Zuschauer gesellten. Wie von Gaukler Bernhard eben gewohnt, waren da die Vorstellungen, die dem Volke zuliebe abgehalten wurden, jedoch auch diejenigen, die sich aus der Spontanität einer Begebenheit am Rande entwickelten.
So höret und vernehmet.

Die Wiedersehensfreude der Kraichgau Highlander mit dem Gaukler und der Prinzessin ließ alle am großen Tor der Burg einfinden. Innige Begrüßungsriten und Erzählungen aus den letzten Monaten formten, wie man es eben kannte, die Runde zu einem lauten und nicht zu übersehenden Ereignis. Dies lockte mitunter nicht nur Blicke der Besucher an, sondern gerne kamen diese auch auf ein Stelldichein hinzu. So geschah es, dass auf einmal ein kleines, schmales weibliches Wesen neben Thorgal zu entdecken war. Mir war schon klar, dass nicht ich es war, der dieses zarte Geschöpf anlockte. Die Muskelpracht der Recken und vielleicht auch die aus den Schnürleibern lockende Brüste der Maiden magnetisierten die junge Frau. Ihr Antlitz und ihr schwarzes glattes Haar deuteten auf ihre asiatische Herkunft hin. Die Neugier, die in ihr steckte, bündelte sich in quirlige Fragerei und ließ uns alle verstummen.

"Wie kann man hier mitmachen? Muss ich mich auch so anziehen? Wo bekommt man das alles her? Seid ihr ein Verein?" Und so weiter und so weiter. Wir staunten immerfort über die Vielfalt ihrer Fragen. Sie konnte sehr gut Deutsch sprechen, denn sie studierte, wie wir im Gespräch herausfanden, hier im Lande. Ihre Fragen sprudelten nur so über uns herein, und wir bemühten uns, ihr mit dem nötigen Ernst, Rede und Antwort zu stehen. Dabei kämpften wir alle mit dem Umstand der Abwägung, ob die Fragen nun aus purer Unwissenheit, bedingt durch ihre Herkunft, oder einfach nur aus der Naivität ihrer Person resultierten. Eigenartig war das ganze schon. "Was trinkt ihr da? Wo lebt ihr? Macht ihr das immer?" Fragen Fragen Fragen. Die Zeit verging und mit ihr begann allmählich der Punkt, der Begebenheit eine neue Richtung zu verleihen. Viele Fragen, viele Antworten. Wir belehrten sie mit einem inneren Schmunzeln, dass sie als Maid das eine oder andere kokette Stück, wie sie es bei Gwen und Mae erkennen könne, offenherzig, aber ehrbar, einbringen muss, wenn sie dabei sein wolle. Gemeint war der Kraichgauer Maiden großer Ausschnitt aus deren Lederschnürung. Sie nahm das wissbegierig auf und meinte nur, dass da bei ihr nicht all so viel wäre, dass man aus einer Bluse herauspressen könnte.

Fragen und Antworten gingen wie bei einem Gefecht hin und her. "Wie lange macht ihr das schon? Wo habt ihr die Hörner her? Muss ich auch Alkohol trinken?" Ihr Interesse war hin und wieder sehr skurril. Uns fiel auch ihr Freund auf, der sich nicht zu uns zu gesellen traute und etwas schüchtern und in ablenkender Weise auf seinem Handy herumtippte. "Das macht ihm nichts aus" antwortete sie auf unseren Hinweis, was ihr Freund denn zu der immer direkteren Fragerei meinte.

Mitunter fingerte sie auch gerne mal an einer Gewandung herum um das Material zu begutachten. " Wo bekommt man das her? Wer schneidert so etwas? Kann man das auch selber machen?" Dann landete ihr Blick auf Thorgals Schuhwerk. Frech griff sie hinunter, um an dem Fell über dem Schuhleder herum zu fingern. Wir dachten schon, sie wolle das Leder seiner Lendenbedeckung untersuchen. "Das sind ja Timberland-Schuhe" rief sie erstaunt aus, "die sind ja gar nicht alt." Die Echtheit unserer Gewandung in Frage gestellt, schien ich mich nun berufen, mit einer Erklärung dem Redegefecht seinen Gehalt zurück zu geben.

" Richtig, das sind Timberland-Schuhe. Jedoch ganz besondere. Gefertigt aus Originalleder der Timberlands. Diese lebten vor vielen Jahren in den Outbacks von Australien. Äußerst gewandte Tiere, die nur schwer zu erlegen waren. Doch dem erfahrenen und schnellen Jäger Thorgal, dessen Revier eigentlich der Wald ist, gelang es mit nur einem Schlag seines Schwertes, eines der Timberlands im Sprung zu erlegen. Das Fleisch des Timberlands rettete ihn über mehrere Wochen hinweg und füllte seinen Magen. Das Leder jedoch folgte seiner Bestimmung, ihm als Schutz seiner Füße zu dienen: Das Schuhwerk. Das Fell darüber hält die Waden warm und schützt vor Krämpfen. So trug es sich zu. Heutige Timberland-Schuhe sind nicht mehr aus dem Originalleder dieser Tiere hergestellt. Trefflich nachgefertigt, gegerbt nach Timberland-Art, aber nicht echt." So beendete ich meine Information an die kleine Asiatin, deren Ohren andächtig meinen Ausführungen lauschten. Die anderen in der Runde hörten ebenfalls gespannt mit. Ein inneres Vibrieren, dass sie gekonnt im Zaume hielten, ließ die Lach und Schmunzelfontäne über diese unglaubliche Geschichte im Verborgenen weilen. Nur so konnte der Erklärung, über die Herkunft von Thorgals Schuhe, der nötige Respekt und die Glaubwürdigkeit verliehen werden.

Ich denke, die Studentin war ziemlich irritiert. Im Spiel zwischen wirklichem Interesse und Naivität gab sie sich letztendlich geschlagen. Dem losen Mundwerk des Gauklers konnte ihre ebenfalls muntere Art nicht mehr standhalten. Dumm war sie sicherlich nicht, nur eben überfordert. Freundlich und respektvoll ging die Plauderei zu Ende und sie und ihr Freund trollten sich hinfort. Damit schufen sie den Platz, um unseren eingezwängten Lachmuskeln endlich die Freiheit zu schenken. Die Freiheit über die nette Begebenheit, nicht über die Person an sich. Somit wurde in dieser Stunde ein neues Kapitel geschrieben aus dem Hause: Bernhard der Gaukler, Erzählongleur und Leuteverschaukler.

Angemerkt sei zum Schluss, dass selbstverständlich jeder Freund des Mittelalters sich entsprechender, auch heutiger zeitgeistnahen Hilfsmittel bedient, um seinem Aussehen gerecht zu werden. Wer sich davon überzeugen möchte, wie echt man so etwas aussehen lassen kann, sei der Hinweis gegeben, über den Ball meiner Startseite, genannt Höret Höret, auf die Wegbegleiter und dort die Kraichgau Highlander zu klicken. So wird unter anderem ein Blick auf Thorgals Schuhwerk frei gegeben.


© Bernd Haseloff

 
     
 
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Die Notebookverwebbung

 

Der Gaukler kann vielleicht große Reden schwingen und die Keulen werfen, aber das Internet beherrscht er nicht. Wie gut, dass es da den Jochus von der Webmasterey gibt. Gemeinsam sind sie stark.
Sehet und schauet ... and have a look, Webby hilft Gaukler mit neuem Notebook.

 
     
 

   
   
   
   
   
   

 
     
 
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Schiffbruch bei....

 

Bei der heiligen Seefahrt hatten Frauen an Bord nichts verloren. Bei uns war....einfach kein Platz mehr. So beschauet die Ein-Bild-Bildergeschichte von Thorgal, Falk, Raff und Bernhard, und leset was geschah bei.....

 
     
 

Gleich den Piraten bei Asterix,

hockten sie in einem Fass,

ihr Schiff kaputt, es machte nix,

sie waren eh schon nass.

Das bisschen Wasser jedoch quoll,

durch ihre Leibesmasse,

nach oben, bis die Wanne voll,

und alle fanden`s klasse.

Und wenn ihr fragt, wo dies geschah,

schaut Bernhard hinten und Falk vorn,

symbolisch Ding erkennt man da:

es war wohl bei Kapp-Horn.

 
     
 
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Wenn der Ursprung zum Ziel wird
(Aus der Reihe: Echte Begebenheiten aus dem Leben eines Gauklers)

 

Kennt noch jemand diese Aussage: "Wir haben jetzt einen Fernsehapparat." Sie fiel erstmals in meinem Elternhaus im Jahre 1968, als nach langem Hin und Her ein solches Gerät im Wohnzimmer aufgestellt wurde. Diesen Satz gibt es heute nicht mehr. Er ist ausgestorben. Man braucht ihn nicht mehr. Mindestens ein solcher Apparat steht heute so selbstverständlich wie ein Kühlschrank in unseren Wohnungen.
Das gleiche Phänomen verwandelte das Telefon, den Computer und das Internet und vieles mehr zu normalen Gewöhnlichkeiten des Lebens. Da ich nun noch nie zu den Menschen gehört habe, die sich jeder Erneuerung, gleich welchem Bereich sie auch immer zugeordnet war, mit sofortiger Hingabe ausgeliefert hat, dauerte es bis in das Jahr 2006, als sich, wie nun zu lesen sein wird, das folgende Geschichtlein im Ursprung befand.

Die Abfahrt
DSL-Flatrate-Call and Surf. Schon seit einiger Zeit Standard gewordenes Muss in heimischen Wohn,und Kinderzimmern, wurde nun doch auch erstrebtes Ziel meiner Begierde. Zu schwach, diesem neu dem Leben abfordernden Standard zu widerstehen, musste ich mir auch hier eine Niederlage eingestehen. Im November 2006 war es soweit: Ich besiegelte einen Vertrag bei der Firma Interline (nur der Name ist erfunden). Mit DSL telefonieren und surfen zum Festpreis. Feine Sache, denn nun waren die Kosten doch überschaubar, die einem durch solche Errungenschaften entstehen. Bemerkenswert dabei: Eine neue Redewendung ist geboren: "Wir können umsonst telefonieren….". Benutzt man gern, ist aber so auch nicht korrekt.
" Wir haben jetzt DSL", verkündete ich freudig den Freunden und Bekannten. Kein Ahh und Ohh war es ihnen wert, denn: Diesen Satz gibt es mittlerweile auch schon nicht mehr. Wir aber waren glücklich, zwar wieder einmal als Spätzünder, aber immerhin. Zumindest 18 Monate lang, bis mir erneut wochenlange, permanente Werbebotschaften das Gefühl vermittelten, doof zu sein, weiterhin an meinem Vertrag festzuhalten. Der gleiche Service und noch viel mehr gäbe es jetzt bei Interline für nur 35,00 Euro (vorher 45,00 Euro). Das i-Tüpfelchen des neuen Angebots, mit dem Handy ohne weitere Kosten ins Festnetz telefonieren zu können, hatte mich letztendlich beflügelt, einen Tarifwechsel bei Interline vorzunehmen. Schnell ins Internet, mit der Kundennummer eingeloggt, Tarifwechsel angehakt, und das Ganze gesendet. Unbürokratisch und kundenfreundlich einfach hatte ich die Angelegenheit in wenigen Minuten auf den Weg gebracht. Es erfolgte auch eine relativ schnelle Reaktion seitens der Interline, denn sie hatte mich ja als Kunde für mindestens zwei neue Jahre in ihren Fängen. Die Handykarte kam, und auch ein Schreiben, dass der Tarifwechsel am 26. Juni 2008 erfolgen würde. Ich solle nur schauen, dass meine Anlage zuhause am Netz sei. Prima, dachte ich, ich muss nichts tun….aber auch die anderen taten nichts.

Der Weg oder (Tag 1)
Der 26. Juni kam. An diesem Tag war mein Telefon und das Internet tot. Das hängt mit Sicherheit mit der Umstellung zusammen, dachte ich mir. Also gab ich der Angelegenheit einen Tag Aufschub. Doch diese Vorstellung starb mit dem Versuch am nächsten Abend zu telefonieren. Was tun? Irgendwo auf dem Schreiben fand ich dann eine Hotline-Nummer: 24 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz. Schön, wenn man ein Festnetz hat, denn per Handy lag ich schon bei 91 Cent. Nun gut, ich wählte also die Hotline-Nummer.
"Guten Tag und herzlich willkommen…..", na dankeschön, dachte ich mir, ein Sprachcomputer. Nachdem ich mehr oder weniger erfolgreich den Fragenkatalog oral angekreuzt hatte, kam nach einer mehrminütigen Warteschleife, hinterlegt mit feinster Musik, die Ansage, dass momentan alle Leitungen belegt wären. Ich solle es zu einem späteren Zeitpunkt erneut versuchen. Ende des Gesprächs, Dauer fünf Minuten, Kosten ca. fünf Euro. Mein Gemütszustand hatte einen Leberhaken erhalten, aber tiefes Durchatmen verhalf mir wieder auf die Beine. Ich wählte erneut. Nachdem ich nun sämtliche Ansagen wieder zu Ohren bekam, mimte mein Gesicht den Sprachcomputer nach, so gut ich mir diesen, in meiner Phantasie, vermenschlicht vorstellen konnte. Meine Antworten auf dessen Auswahlmöglichkeiten leierte ich in einem eher gelassenen Ton herunter. Doch im Gegensatz zu meinem ersten Versuch, gelangte ich nach etwa der gleichen Zeit an eine Mitarbeiterin. " Guten Tag, mein Name ist…was kann ich für sie tun", hauchte sie mir ins Ohr. Alle haben sie diese Stimmlagen, dass man sie sofort heiraten möchte, aber aus dem eigenen Berufsalltag heraus weiß ich, dass zu mancher Stimme auch einen Klangkörper weit über 100 Kilo gehören kann. Also aufpassen. Ich erklärte der Dame mein Problem. Das könne schon bis zu zwei Tagen dauern, antwortete sie mir.

(Tag 4)
Ich wartete bis Sonntag, den 29.Juni, einen Tag länger sogar, als die gute Fee am Telefon mir vorgab. Ich wollte sicher gehen, dass nicht die fehlende Zeit Schuld wäre am Scheitern des Vorhabens. Beherzt griff ich also zum Telefonhörer und startete einen Versuch….., der jedoch fehl schlug. Nichts ging. Einzig meine Wut konnte ich erfolgreich in Gang bringen.

(Tag 5) 30. Juni
Ich wählte die Hotline an, um mein Problem erneut weiterzugeben. Nach der Abfrageprozedur des Sprachcomputers, ich kannte schon alle Fragen, kam ich nach sage uns schreibe 15 Minuten Warteschleife endlich durch. Ein neuer Tag, eine neues Glück, ein neuer Kollege. Also erzählte ich ihm die ganze Geschichte von vorne. Seine Antwort: Mein DSL wäre defekt und er würde das Problem an die Technik weitergeben. In ca. zwei Tagen werde ich bescheid bekommen. Ende des Gesprächs nach ca. 20 Minuten und 20,00 Euro.

(Tag 8) 3. Juli
Außer einer Zufriedenheitsabfrage von Interline, die ich, einzusehen in einem Internetcafe, in meinem Mailpostfach hatte, erreichte mich keine Nachricht. In einem mail antwortete ich in burschikosem, aber freundlichem Ton auf die missglückte Tarifumstellung. Am gleichen Tag noch wählte ich zusätzlich die Hotline an, um in einem 20minütigem Telefonat, dass überwiegend mit Warteschleifenmusik gefüllt war, meinem Frust freien Lauf zu lassen. Ich übergab der Dame am Telefon meinen ärger. Sie hatte Verständnis für mich, denn dank des wohl interner IT,- Ticket, und Dokumentationsprinzips, hatte sie meinen Fall am Bildschirm zur Einsichtnahme. Das Problem wäre immer noch bei der Technik, erzählte sie mir. Von dort würde ich Bescheid erhalten, sie könne da nichts weiteres machen. Völlig ausgeliefert einem Nichts an Handhabe, beschloss ich, der Verzweiflung folgend, abzuwarten, wie es die überaus freundliche Dame mir geraten hatte. Als ich den Hörer 26,00 Euro später, aufgelegt hatte, dachte ich an eine Zeit zurück, in der es noch die Möglichkeit gegeben hätte, eine ortsansässige Geschäftsstelle von Interline aufzusuchen, um den ärger direkt einem Unschuldigen aus der Firma ins Gesicht zu schleudern. Aber diese Zeiten sind wohl vorbei. Call-Center, Servicenummern, Sprachcomputern sind die Notärzte unserer Zeit.
Da mehrere Tage vergingen, ich von Interline nichts mehr hörte, überkam mich das Gefühl, dass die meinen Problemfall, sicherlich in Form eines internen Tickets, geschlossen haben.

(Tag 15)
Anruf bei der Hotline: Nach erneuter Fallbeschreibung kam nun eine ganz neue Variante der Auskunft ins Spiel: die Telefonnummer wäre noch nicht freigegeben. Der Zorn wuchs im Sturm meiner Beschwerdeattacken, denn diese Auskunft war schlichtweg falsch. Dann läge es wohl an der Leitung, bot man mir als nächste Möglichkeit an. Ein Servicemitarbeiter sollte diese überprüfen.

Die Kündigung oder (Tag 17)
Nach mittlerweile insgesamt über 50,00 Euro Handy-Telefongebühren war meine Geduld am Ende. Ganz offiziell verfasste ich ein Kündigungsschreiben zur fristlosen Aufhebung des Vertrages, der ja, hätte er funktioniert, zwei Jahre Laufzeit beinhaltet hätte. Bis ins Detail schilderte ich meine Gründe. So schrieb ich mir meinen ärger vom Leib, denn man bedenke, es ist mittlerweile Anfang August. Gespannt was da kommen wird, vergingen die Tage in neugieriger Erwartung einer Reaktion. Ganz nebenbei: Angesprochener Techniker überprüfte parallel zu den Vorkommnissen meine Leitung: die Leitung war in Ordnung.

(Tag 23)
Es lag ein Schreiben von Interline in meinem Briefkasten. (Ganz normal Briefkasten mit Brief aus Papier und Briefmarke und so,…..gibt es immer noch). Die Bestätigung der Kündigung zum 31.05.2010. Mir fielen glatt die Pupillen aus den Augen, rollten über den Tisch und brachen wie zwei Eier auf dem Parkett auseinander: die Kündigung galt mit Ablauf der zwei Jahresfrist. Fassungslos sah ich mich in dieser Odyssee dem Wahnsinn gegenüber. Ein Griff zum Handy und mit stark gedrosselten Gefühlen hörte ich mir zum Hundertsten Male die Litanei des Sprachcomputers an. Die süßliche Stimme der Mitarbeiterin in der Hotline erfuhr eine kalte Dusche. Ich hätte auch mit einem Berg aufgeschütteter Erde sprechen können, denn ich wusste in meiner Beredsamkeit bereits um die Aussichtslosigkeit meines Anrufes. Mein Drängen ging mittlerweile dahin, dass ich mit einem Vorgesetzen sprechen wollte, da ich mich in einem Netz befand, in dem selbst die Spinne ihr eigenes Opfer wurde. Die Telefonnummer eines Vorgesetzten konnte ich ihr nicht entlocken, jedoch die Faxnummer des Vorstandes.

Meine neue Aufgabe: Ein Fax an den Vorstand, und mir war klar, dass dieser mein Schriftstück nie und nimmer in die Hände bekommen würde. Ich dokumentierte nochmals in chronologische Abfolge die Geschehnisse, mit entsprechendem Hinweis auf meine fristlose Kündigung.

(Tag 36)
Bald kam die Antwort ins Haus geflattert. Na, dachte ich mir, da reagiert doch mal jemand. Mein Zeigefinger ritzte den Umschlag auf, und gut vorformulierte Worte eines Mitarbeiters des Vorstandes, dessen Aufgabe es war, Unangenehmes der Heiligkeit fern zu halten, erklärten mir, dass man sich meines Problems annehmen würde. Schön, dachte ich mir, nach annähernd zwei Monaten nimmt man sich meines Problems an.

(Tag 40)
Ein erneutes Fax meinerseits, denn die Nummer hatte ich mir gut aufbewahrt, reagierte auf die netten Worte des Vorstandmitarbeiters, indem ich wortstark und drohend auf die sofortige Kündigung beharrte. Diese Formulierung hat wohl gesessen, bewirkte sie doch die sofortige Aufhebung der Geschäftsbeziehung. Endlich geschafft. Zumindest die Vertragsauflösung. Aber wir waren immer noch ohne Internet und Telefon.

Spurwechsel (Tag 45)
9. August. Aufbruch zu einer anderen Firma, die mir wieder zu Telefon und Internet verhelfen sollte. Alles kein Problem bei homephone, der neuen Firma meines Vertrauens (nur der Name ist erfunden). Auf eine bestimmte Art erleichtert, auf eine andere Art sehr emotionslos, gab ich mich der Angelegenheit hin. Die nächsten Tage verbrachte ich dann in einer gewissen Hoffnung, dass dieses Drama bald ein Ende nehmen würde. Dann, es war der 27. August, also zwei Monate nach meinem Telefontot, lag ein Schreiben von homephone im Briefkasten. Aufgeregt saugte ich den Inhalt des Schreibens in mich auf. Freundliche Worte begrüßten mich als neuen Kunden. Kundennummer war auch schon da. So etwas geht meistens schnell, obwohl, wenn ich bedenke, liegen zwischen 9. und 27. August auch schon mal 18 Tage. Nun gut. Der Schlag kam, als ich las, dass der Vertrag dann ab 31.Mai 2010 aktiv geschalten würde. Das war der Zeitpunkt des regulären Endes des Vertrages mit Interline.
Donnergott Thor schlug auf mich ein. Der Himmel tat sich auf und es regnete tausende von unbrauchbaren Telefonen und Netzkabeln herab. Ich saß in meinem leeren Computergehäuse und hielt mich so über Wasser. Unglaublich, dachte ich mir, was heutzutage passiert. Auf der Suche nach einer Telefonnummer auf dem Schreiben, und mir war klar, dass da auch nur eine Hotlinenummer angegeben sein würde, musste ich mit Erstaunen feststellen, dass gar keine Nummer vermerkt war. Schlau, schoss es mir durch den Kopf, früher war noch ein Ansprechpartner auf den Schreiben vermerkt, Jahre später nur noch eine Servicenummer und heute gar nichts mehr. Da haben die Mitarbeiter der Firma die nötige Ruhe, um sich nicht um Probleme der Kunden zu kümmern. Mit detektivischem Gespür suchte ich im Internet, nicht das eigene wohlgemerkt, nach einer Nummer von homephone. Treffer: 0800, dankeschön. Jeder weiß, was das bedeutet. Mir gingen seltsame Gedanken durch den Kopf. Fragen an das Leben und warum Dinge, die wir nicht zum Leben brauchen, das Leben beschweren, wenn man sie uns wieder wegnimmt? Was passiert da in unseren Köpfen? Drohen wir seelisch zu verhungern, weil das Internet oder das Telefon, der DVD Player oder sonstiges nicht funktioniert? Man regt sich nicht auf, wenn kein Schinken im Kühlschrank ist. Warum auch, dann isst man etwas anderes oder bemüht den Pizza-Service. Aber Gnade dem Adrenalinspiegel, wenn uns die Technik verlässt, dann spielen sich lebensbedrohende Tragödien in unseren Leibern ab.
Doch zurück zur Geschichte. Ich wählte also die Servicenummer von homephone. Die Erfahrung hat gezeigt, dass, wenn man die Fragen des Sprachcomputers ignoriert, man nach einer gewissen Zeit zu einem freien Mitarbeiter durchgestellt wird. Der Dame am Telefon erklärte ich also, dass es sich um eine fristlose Kündigung gehandelt habe, und somit eine sofortige Umstellung stattfinden könnte.

(Tag 64)
Das Ganze geschah am 28. August. Am 3. September wählte ich erneut die Servicenummer von homephone an. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich vergeblich auf eine Rückmeldung gewartet. Ich wusste ja nicht, wie es nun weitergeht. Auskunft Hotline: 9.9.08, dann…… geschah….. auch nichts. Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Genauigkeit Firmen immer wieder leere Versprechungen auf den Tag genau vorhersagen können.
Als ob sich die Wunde eines Streifschusses entzündet hätte, erlag ich 2 Tage später folgender unbarmherziger Nachricht von homephone: Sie können den Anschluss nicht schalten, da sich meine Rufnummer nicht vor Ablauf des 31.05.2010 von der Firma Interline zurück portieren lässt. Ein wilder Kugelhagel schwängerte die Luft, Blei schlug in Holzbalken ein, Splitter fetzen davon, Wasser schoss aus einem durchsiebten Fass, Kinder kreischten, Verletzte flogen von den Dächern, Glas splitterte, und, die Erde tat sich auf und zog mich hinunter in lehmiges Gefilde, wo auf einmal alles ruhig wurde und still.
Die Dame aus der Portierungsstelle ignorierte meine komplette Darlegung des Falles mit der endgültigen Aussage, dass es meine Aufgabe wäre, zu bewirken, dass die Nummer von Interline wieder freigegeben werden würde. Ende des Gesprächs.

(Tag 79)
Es war Freitag, der 12. September. Mit dieser Tatsache ging ich ins Wochenende. Ich verwendete gut gewählte Worte, um in einem Schreiben meine Rufnummer wieder zurück zu erbitten. Kann es sein, dass wir uns in einem Zukunftsroman befinden, indem ich darum bitte, mir meine Nummer, also eine Zahl, wieder zurückzugeben? Also nicht meine Jacke, die ich jemanden geliehen habe, oder mein Auto. Nein, es handelt sich um eine Zahl. Ich möchte meine Zahl zurück. Zahl es mir bitte heim. Meine stark herunterverschönten Worte faxte ich gleich am Montag zu Interline.

(Tag 91) Himmlische Ruhe
Es ist mittlerweile der 24. September und ich habe von niemanden mehr etwas gehört.
In 2 Tagen habe ich 3monatiges Jubiläum, seit ich kein Telefon mehr habe. Gerne würde ich ein paar Freunde dazu einladen und einen kleinen Umtrunk geben, aber ich kann ja, außer per teurem Handytelefonat, niemanden erreichen. Also lass ich es bleiben. Das ist auch billiger. überhaupt, habe ich insgesamt doch eine Menge Geld gespart. 35,00 Euro Gebühr pro Monat, Handy hätte ohnehin extra gekostet, dazu noch Internetstromverbrauchsbeträge von vermutlich 5,00 Euro. Bei 3 Monaten sind das schon 120,00 Euro. Unglaublich. Das sind pro Jahr 480,00 Euro. Auf 10 Jahre gesehen 4800,00 Euro. Damit könnte ich dann doch endlich meinen langgehegten Wunsch in die Tat umsetzen, meinen Renault in einen VW-Bus einzutauschen. Das wäre schön, endlich mehr Platz im Auto. Wir sind ja doch ganz schön viel unterwegs. Im Reifen der Idee, die, gleich einem aufgeblasenem Luftballon, immer realistischer wurde, zerbarst der Gedanke mit ohrenbetäubendem Knall: Den Fahrzeuganbieter wechseln? Käme da nicht etwas ähnliches wie mit dem Telefon auf mich zu? Nebelschwadengeladenes Unheil schwebte über mir und lies den Himmel verdunkeln. Schnell zog ich mich ins Haus zurück und überließ mein Vorhaben des Fahrzeugwechsels der Utopie.

(Tag 96)
29. September: Meine Handy klingelte und vertraute mir die Nachricht an, dass nun die Telefonnummer wieder rückportiert wurde und der Angelegenheit nichts mehr im Wege stünde. Der Anruf kam wie von einem anderen Stern, denn es klang auf gewisse Weise nicht real. Jedoch, inneres Freudengetanze, nach außen unsichtbar gehalten, ließen mich nachfragen, wann denn nun auch der gebuchte Techniker von homephone käme, um die notwendigen Einstellungen an der Anlage und PC vorzunehmen. 2. Oktoberwoche, war die Auskunft und gab der Angelegenheit den Anschein eines baldigen Endes. Nicht mehr lange, dachte ich mir, und ich bin wieder für die Menschheit erreichbar.

(Tag 100)
Anfang Oktober trieb mich eine innere Kraft, mein Telefon, nach alter Manier und ohne Splitter oder sonstige Boxen, in die Telefonbuchse einzustecken. Nennen wir es einen Versuch, aus der Neugier heraus geboren, um zu testen, ob denn schon etwas funktioniert. Ich wählte mit Spannung die Nummer meines Handys, und ….. es klingelte. Ein sofortiger Rückversuch von Handy auf Festnetz war ebenfalls erfolgreich. Tatsächlich, wir waren wieder erreichbar. Welch Freude kam auf in der Familie. Zumindest das Telefon funktioniert schon einmal. Zwar dauerte es noch bis Mitte Oktober mit dem Internet, da der Techniker nur auf mein nochmaliges Anrufen hin bei uns auftauchte, aber seit dem 23. Oktober funktioniert auch das wieder.

Ankunft oder (Tag120)
Wir sind nun angekommen. Vier Monate unterwegs gewesen. Welche Freude. Es ist alles wieder beim alten. Eine Vision ergreift mich: Mit einem Luxusdampfer nach Amerika reisen, ohne Matrosen an Bord. Die Gäste werden gebeten, Hand anzulegen, damit das Schiff vorwärtskommt, mitunter ist auch Rudern angesagt. Doch endlich ist es geschafft. Nach langer Reise legt das Schiff an, und du bist da……wo das Schiff abgelegt hat.

LSD oder DSL: Ein kurzes Résumé zu einer langen Geschichte
Es bleibt die große Frage, wie solche Dinge in unserem Leben geschehen können? Ich denke, im großen Weltgeschehen unseres heutigen Daseins, haben geld- und machthungrige Hintermänner, mit Hilfe von üblen Dealern, uns zu Süchtigen gemacht. Zu Abhängigen. Und wir tun alles, was sie wollen, denn wir wollen alles. Es plagen uns Entzugserscheinungen, wenn wir Dinge nicht mehr haben, die wir nicht wirklich brauchen, aber davon abhängig sind. LSD oder DSL, wo ist der Unterschied?

Ende

 
     
 
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Der Gauklerwagen im Winter

 

Schneebedeckt steht nun mein Wagen,
muss nicht - sich über Kopfstein plagen,
kann endlich mal die Klappe halten,
weiß zugedeckt, um abzuschalten.

Im Freien steht das Holzgefährt,
der Gaukler bleibt am heimisch` Herd,
jedoch mit festem Blick nach draußen,
bis ihm wieder neue Flausen -
eifrig durch den Schädel sausen.

So nutz ich diese momentane -
gauklerfreie Zeit und plane,
andern Dingen Raum zu geben,
die zu kurz kommen im Leben.

Es gilt mein Gruß fürs kommend Jahr,
euch, die ihr in großer Schar,
meine internetten Seiten,
mit Besuchen treu begleiten.

Die Prinzessin und auch meine -
Wenigkeit, wir wünschen eine -
gute Zeit zweitausendacht,
und gebet ihr - stets mit Bedacht,
genügend Platz, damit die Seele,
sich nicht durch das Leben quäle.

 
     
 
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Der Bratenduft

 

Der Weihnachtsbraten stand bereit,
die Sau war lang am Feuer,
ihr Duft sorgte für Heiterkeit,
denn er war nicht geheuer.

Es standen alle um das Schwein,
holten genüsslich Luft,
verleibten mit der Nas sich ein,
den eigenart`gen Duft.

Denn in diesen zart gegarten -
Krustendampf sich mischte,
ein Salut der hint`ren Schwarten,
der mit Geschmack rauszischte.
© Bernd Haseloff

 
     
 
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Zwei Gehirnzellen

 

Eine Meisterin der Linse hub ihr Kästlein an, um just den Moment kunstvoll einzufangen, der eine eigene Geschichte in sich birgt. Nur dieser Augenblick trägt die Geschichte in sich, einzig allein. Bereits einen Bruchteil später ist sie wieder eine andere. Weder Film vermag dies vollbringen, noch baren äugleins Betrachtung. Zu schnell läuft das Geschehen ab und macht diesen einen Moment nicht greifbar. Einzig das Kästlein entlockt der Situation die Begebenheit, die der Betrachter dabei empfindet. Folgend drei Bildlein aneinander gereiht, ergeben eine Erzählung in des Gaukler`s Schädel, die sich einzigartig darstellt. Jede andere Konstellation, jeder andere Erzähler lässt den Verlauf einer Geschichte neue Wege gehen. So leset nun genau diese.

Unsagbar heißes Augustwetter lies den gelben Filztigel auf meinem Haupte etwas größer werden. Vollgesaugt mit der nassen Menge aus den schwitzigen Poren, weitete er sich naturbedingt um einen kleinen Spalt rundum meines Kopfes. Diesen winzigen Umstand machten sich zwei Gehirnzellen, zwei von den Gelben, zu Nutze, um dem brodelnden Kessel zu entfliehen. Vor Freude juchzend, tänzelten sie umher, zogen ihre Kreise, und freuten sich ob ihrer erlangten Freiheit. Es schien gerade so, dass man bei absoluter Stille ihre Freudengesänge vernehmen konnte. Zu Tode erschrocken über die gelungene Flucht, gepaart mit der Angst, es könnten meine einzigen gewesen sein, schaute ich ihnen gebannt hinterher. Sie schwirrten um das gelbe Filz, und trieben von Lust gepackt ihr Unwesen direkt vor meinem Antlitz. Es hatte den Anschein, dass sie sich in ihrer Freiheit sehr sicher aufgehoben fühlten. Auch hatte ihre Unbekümmertheit, mit der sie vor mir einher flogen, ein gewisses Maß an Hochnäsigkeit und Arroganz.

Was die Beiden nicht bedacht hatten, war, das das verlassene Zuhause, ein Gaukler sein eigen nannte. In ihrer Einfältigkeit, aber wie sollte es auch anders sein in einem Gauklerschädel, vergaßen sie ihre Herkunft. Ich , der Gaukler, Meister der flinken Hand, hielt die beiden fest im Auge. So leicht wollte ich sie nicht freigeben. Ich ließ ihrer Tollkühnheit freien Lauf, hatte sie aber fest im Visier und wartete auf den Moment, um sie zu greifen und ihrer zunftmäßigen Bestimmung zurück zu geben. Auf und ab, hin und her, rundherum in gewagtem Fluge waren die Beiden unterwegs, als meine rechte Hand mit schnellem Griff, unerwartet aus der Tiefe hinauf schnellte, und die eine packte. Es muss sie wie einen Schock getroffen haben. Sie sagte keinen Ton und schaute stumm ihrem Kameraden hinterher. Beide Augen hatten das ganze Geschehen fest im Blick.

Die zweite Zelle, gerade noch im munteren Treiben versunken, erstarrte vor Schreck, als sie ihre Gefährtin in den Klauen des Gauklers sah. Jetzt war Handeln angesagt. Ganz auf sich allein gestellt, galt es nun, zu entscheiden, wie es weitergeht.

Indes, der Gaukler, die eine Ausreißerin gefasst, wandte sich der Zweiten zu. Doch, oh Schreck, was war geschehen? Es schien gerade so, dass diese sich über das Unvermögen ihrer Freundin schwarz geärgert hat. Aber ja doch, es war kein Traum, sie wurde in der Tat kohlrabenschwarz. Diesen Umstand machte sie sich wohl zu Nutze, um in der Dunkelheit des Hintergrunds das Weite zu suchen, in der Hoffnung, der Gaukler würde sie nicht mehr entdecken. Die altersbedingte Schwächung des Augenlichts verhalf der Zelle zur Flucht. Undefinierbare Worte schickte ihr der Gaukler noch hinterher, doch dies war ihr einerlei. Sie hörte ihn schon nicht mehr und entschwand alsbald im Universum.

Nun die Frohnatur eines Gauklers lässt die Dinge gern wie folgt aussehen: Ein Teilerfolg wurde erzielt, und darüber sollte man sich freuen. Und das tat er auch. Mit einem kühnen Wurf in sein Maul, übergab er die eine Besiegte wieder seinem Innern. Vom Jubel und der Freude über den vorwiegend erfolgreichen Verlauf des Geschehens, fiel der Filztigel gänzlich von des Gauklers Haupt. Dies jedoch scherte ihn wenig. Im Gegenteil, die Kühle auf seinem Schädel begrüßte er als äußerst willkommen.
Inmitten des Triumphes vernahm er auf einmal, zu seiner rechten, eine laute Stimme. Den Freudentaumel noch im Gesicht, verwandelte sich sein Blick zunehmend in ein suchendes, erstauntes Geschaue.

Da er niemand sah, vermutete er die entkommene schwarze Zelle stecke wohl dahinter. Er lag richtig mit seinen Gedanken. "Hey, Jungs", rief die Stimme in hämischen Ton, "der Gaukler hat den Deckel verloren. Beeilt euch hinaus zu kommen, bevor er den Filz wieder überstülpt."

Tja, und was geschah wohl dann? Hier endet nun die Geschichte aus meiner Sicht. Welchen weiteren Verlauf das Ganze nahm, und zu welchem Ende die Begebenheit führte, überlasse ich, der Gaukler und Schreiber, eurem Urteil.

Trefft ihr mich auf so manchem Markte, dann schaut mir zu, sprecht mit mir und entscheidet für euch selbst, ob es mir wohl gelungen ist, schnellstmöglich den Filz zu ergreifen, um die Flucht der Hirnzellen zu verhindern, oder, ob das obige Zuhause gänzlich verlassen wurde.

Ob ich nun Sieger blieb oder nicht, obliegt eurer Betrachtung. Doch denkt daran: Lebt behütet, denn wahrlich, ich sage euch, schaue ich mich um in der Welt, sehe ich viel, die ohne Kappe unterwegs sind.

 
     
 
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Die Hochzeit

  Auf einem Markte erworben, dies schöne Symbol, das, Hochzeitern überreicht, in seiner Mehrdeutigkeit, meine Feder animierte, sich in Bewegung zu setzen. Das Ergebnis wurde zusammen mit einem Festakt zur Hochzeitszeremonie von Iza und Hägar aus den Kraichgau Highlands. So leset nun den Teil, der das Symbol zu erklären vermag.  

 

 
 

Als fahrend Gaukler kam ich bald,
ins ferne Engeland,
in Glastonbury macht ich Halt,
nun hört, was ich vorfand:
der Beutel leer, die Kehle trocken,
die Wirtsleut stillten nicht den Durst,
nirgendwo durft ich hinhocken,
dies schien den Angelsachsen Wurst.
So blieb mir keine andre Wahl,
ging fort von dieser Stelle,
der Durst wurd mir sehr schnell zur Qual,
als ich fand eine Quelle,
Ich trank und trank und trank und trank,
um der Ohnmacht zu entkommen,
und merkte nicht, wie ich hinsank,
das Wasser machte mich benommen.

Als dieses Wasser mich durchspülte,
meine Seele, meinen Geiste,
ja da spürte ich und fühlte,
wie ein Zeichen mich bereiste.

Als ich erwachte und die Sinne,
hatten wieder freie Sicht,
hielt mein Denken nochmals inne,
für das Zeichen der Geschicht.
Inmitten all der Denkerei,
betrachtete ich diese Quell,
und las, dass dieser Brunnen sei,
sehr alt und hieße Chalice Well.

Der Deckel, der den Brunnen schmückte,
war von reichlichem Gezier,
die Zeichen, die sein Rund bestückte,
erklärten alles mir.

Als Gaukler will ich hier und heut,
dies Zeichen weitergeben,
an die beiden Hochzeitsleut,
als Begleiter für das Leben.

So bestaunt des Deckels Zier,
das das Wasser gut bewacht,
auf dass zu keiner Zeit verlier,
es die Magie und seine Macht.

Das Rund des Deckels ist das Rad
des Lebens, das sich dreht,
es soll euch zeigen euren Pfad,
ohne Ende, wie ihr seht.

Eingeschlossen in das Rund,
zwei Ringe, gekreuzt, ihr seht es wohl,
den Eheleut zu jeder Stund,
ein sichtbares Liebessymbol,
das ihnen gehört für alle Zeit,
dreht sich das Rad auch weiter,
als Zeichen der Unendlichkeit,
und ewig Wegbegleiter.

Gedreht ein weiteres Mal,
erzeugt ein neues Zeichen,
ihr erkennet eine Zahl,
die Acht stellt ihre Weichen.
Gebt Acht auf die Acht, die jedem gebührt,
dann seid ihr gut beraten,
denn wenn ihr die Achtung verliert,
habt ihr die Liebe verraten.

Jetzt betrachten wir den Pfeil,
im Rad und in den Ringen,
er steckt als Bote für den Teil,
den Amor will euch bringen.

Der Pfeil - der Liebe keimen lässt,
er steckt - und diese Wunde,
freudig Erinn`rung hinterlässt,
an eure erste Stunde.

Doch ist er auch, nochmals gedreht,
der Stiel für diesen Kelch
und da hinein, wie ihr gleich seht,
soll Brunnenwasser, welch -
läuft es durch eure Kehle,
für Klarheit sorgen soll,
in Herz und in der Seele,
drum füllet ihn stets voll,
und trinket von dem Quell,
aus des Brunnen tiefem Schlund,
dann kommt ihr pfeilgerad und schnell,
den Dingen auf den Grund.


 

       
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Festtagsmahl

  So hat mich doch eine kleine Begebenheit, als ich als Gaukler ein Hochzeitsmahl begleitete, dazu veranlasst, ein Gedicht daraus zu verfassen. Feinste Speisen wurden zu Ehren der Brautleut und deren Gäste gereicht. Dazwischen der Gaukler, um die Seele zu nähren mit leichter Kost. Ein kleines Mägdelein, mit blondem Zopf und lieblich Antlitz, in trachtiger Weise gekleidet, hatte mich als Highlight dieses Festes auserkoren. Sie schwirrte stets um mich herum, wenn ich mich, als die Herrschaften speisten, zurückziehen konnte. Auch ich kam in den Genuss, von den Speisen zu kosten. Währendessen unterhielten wir uns, und sie, die lieber bei mir verweilte als am Tische, hätte wohl lieber ein paar Pommes gegessen und ein Eis als Nachspeise. Das Resumé des Ganzen brachte die Kleine mit dem Satz, der auch das Gedicht beendet, auf einen Punkt.

In Anbetracht der kommenden Festtage, an denen man sicherlich ebenfalls viel feinste Speis zu erwarten hat, wünsche ich mit dieser wahren Begebenheit allen ein frohes Weihnachtsfest und hoffe doch auf ein vielfältiges Wiedersehen im neuen Jahr. übrigens gibt es beim Gaukler und der Prinzessin Saitenwürstchen und Kartoffelsalat.
 

 

Ein großes Fest wurd zelebriert
der Fürst, er lud zum Mahle,
gar edel und reichlich verziert,
war Tisch und Wand im Saale.

Auch gab die allerfeinste Speise,
dem Feste seinen Rahmen,
in kulinarisch, edler Weise,
für die Herren und die Damen.

Und für den Spaß wurd ich bestellt,
das Mahle zu erheitern,
stets hofft ich auch, dass es gefällt,
sonst würd mein Leben scheitern.

Oh welch Duft schwebte im Raum,
die Nase jubilierte,
der Gaumen glaubte es wohl kaum,
was seinen Schlund passierte.

Der Zeremonienmeister las,
vom Blatte ab die Speisen,
und kündigte den edlen Fraß
an, wie es ihm geheißen:

Ein Gelee aus Roten Rüben
umhüllt sanft das Wachtelei,
garniert mit Minze hüben, drüben,
das alles war Vorspeiserei.

Es folgt alsbald die Taubenbrust
im Mäntelchen aus Reis,
auf zimtiger Süßkirschenlust,
als zweiter Teil der Speis.

Hernach die Leber von der Gans
an Gemüse, fein glasiert,
mit einer Soß aus Ochsenschwanz,
mit Trüffelstück verziert.

Mit Rahm umspültes heimisch Reh,
im Dialoge mit dem Meer
von aufgeschlagne`m Eierschnee,
dazu Parfait aus Preiselbeer.

Nach der Hauptspeis etwas Leichtes,
dazu meine Späße,
im Honigbett man reicht es:
flambierter Ziegenkäse.

Ein Mousse aus Schokoladenbohnen,
umringt mit zuckrigem Sorbet,
auf Biskuitboden darf es wohnen,
benetzt mit Haselnussgelee.

So war das Mahl und alles stöhnte,
ob der hieß`gen Küchenkunst,
ein jeder lobte sie und krönte -
es mit allerhöchster Gunst.

Auch widerfuhr mir der Genuss -
zu kosten vom Gericht,
ich kam letztendlich zum Entschluss,
was auch Kindermund so spricht:

Eine kleine Maid, die ebenso -
an der Tafel hat verweilt,
kam zu mir auf den Ballen Stroh,
in raschelnd Kleidchen hergeeilt.

Mit großen Augen schaute sie
mich an und sprach vermessen:
Ich habe Hunger, wie noch nie,
hier gab`s nix Gscheit`s zum Essen.






 

       
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Nachlese - Weinlese

 

Seht die Trauben, rund und prall,
an den Reben überall,
wartend auf die letzte Sonne,
um sodann mit Lust und Wonne,
sich der Lese hinzugeben,
zu gebären geistvoll Leben.
Der Winzer holt die Früchte heim,
quetscht sie hinfort von ihrem Keim,
füllt alsdann das hölzern Fass,
mit Hingebung so lang - bis dass,
alle Trauben sind vergoren,
und der Wein uns ist geboren.

Zur lieblich Gaumenfreud verschafft,
uns der rot und weiße Saft,
indem er in herbstlicher Stunde,
sich ergießt in unsre Munde,
Dabei setzt er Bilder frei,
an die Sommergaukelei,
auf manch Mittelaltermarkt.
Doch nun, nun wird der Narr geparkt,
bis die Frühjahrssonne hell
ihn erneut rufet zur Stell,
denn im winterlichen Schoß,
ist mit Gaukeln nicht viel los,
ausser ein paar Tafeleyen,
ich bitt die Pause zu verzeihen.

 

       
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Zehntscheuer - Mehrwertsteuer

 

Frage: Hat das Leben im 21. Jahrhundert mehr Wert (Mehrwert)?

Eine Geschichte.

Die Sichel des Mondes bot mir, im immer fortwährenden Takt seines Daseins, für eine gewisse Zeit seinen bequemsten Platz zum Verweilen an. Bequem ließ ich mich dort nieder und fiel, letztendlich durch sein schwaches Licht, dem Schlaf zum Opfer. Die Pforte meiner Seele unbewacht, schob dieser nun den Riegel beiseite und schlich heimlich und leise in mich hinein.

Wohl vermag die Sonne den Dingen ans Licht zu verhelfen, doch ist der wahre Herrscher er, der Mond. Gleich ihm, der strahlend rund, dann wieder schmal und schwach, sein Land beäugt, ist das Leben ähnlichem Auf und Ab unterworfen. Seinem Takte folgt das Leben in immer wiederkehrender Weise. Und so erzählte er mir folgende Geschichte:

Da beklagte sich doch einer, dass Könige und Fürsten, das arme Volk bluten lassen, um ihres eigenen Wohles Willen. Den 10ten Teil von allem solle er abgeben. Dafür bekomme er den Schutz des Herrschers. Nun gut, er nahm es hin, voll des ärgers zwar, da er wusste, dass sein Teil die Tafel der Obrigkeit über das Maß hinaus füllte, doch konnte er vom Rest sein Dasein sichern. Gute Ernte, schlechte Ernte, interessierte keinen aus den fürstlichen Reihen. Die Kammern stets gut gefüllt zu haben, war der Auftrag, der an jene ging, die Parasiten gleich, des Königs Speichel leckten. Der 10. Teil blieb der 10. Teil, gleich was das Leben einfuhr. Gut geschärfte Lanzen verhalfen selbst dem letzten Rest ans Licht. Eindeutig und grausam erfuhren jene, die der Ungerechtigkeit trotzten, was es heißt, den hohen Herren mit Wehr zu begegnen.

Im Verlauf der Geschichte war der Mond bereits wieder auf dem Weg der Vollrundigkeit zuzustreben. Somit wurde mein bis dahin überaus angenehmes Lager zunehmend unbehaglicher. Just in dem Moment, als er wieder zur Kugel ward und mir der Platz zur Rast komplett verloren ging, stürzte ich hinab in die Tiefe. Ich wirbelte durch den Raum und durch die Zeit, über 500 Jahre lang und landete schließlich im Jahre 2006. Die Geschichte steckte mir tief in den Knochen. Mein Sturz dauerte tatsächlich 500 Jahre. Gott sei Dank, dachte ich mir, lebe ich im Jahre 2006. Wie gut es uns doch geht. Das Mittelalter war schon sehr grausam und ungerecht. Den zehnten Teil abgeben, nur dass der Herrscher genug hatte und mit dem Geld machen konnte, was er wollte. Unglaublich.

Noch ganz benommen von dem tiefen Fall beschloss ich, mich in meine Hängematte zu legen, um mich zu erholen. Leicht wippte ich darin hin und her. Es erinnerte mich an das Liegen im Mond. Auch war da die Geschichte des Mondes wieder. Im Radio ging die Musik zu Ende und ein Sprecher hob an zu erzählen. Es waren die Nachrichten. Mit der Zeit wurde ich wieder müde und gerade als in den Nachrichten erklärt wurde, dass im Jahre 2007 die Steuern auf den 19. Teil erhöht werden, viel ich erneut in einen Schlummer. Wie im Karussell, schwirrten der 10.Teil, 16 Prozent und 19 in meinem Kopf herum. Wirre Gedanken all überall. 10 und 16 sind teilbar, 19 jedoch nicht, also eine Primzahl, also nicht teilbar, also der 19. Teil. Der König hatte eine Zehntscheuer. Heute haben sie neun Zehntscheuern. Ich spürte wieder eine scharfe Lanze in meiner Brust, wie in der Geschichte des Mondes, zwar langsamer gestochen, jedoch härter in der Wirkung.

Antwort: Das Leben im 21. Jahrhundert hat Mehrwert (mehr Wert).

 
     
 
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Entlassung 2005

 

Man schreibt den Dezember 2005

Immer mehr Unternehmen entlassen ihre Mitarbeiter. Und jetzt auch noch die * Zeit *. Schon gehört, jetzt wollen die zum Jahresende auch noch einen Haufen Leute kündigen. Die sprechen von 365 Tagelöhner, 52 Wöchnerinnen, 8760 Stundenten und Abertausenden von Sekundanten. Da bin ich mal gespannt, ob sie im Jahr 2006 mit weniger auskommen. Sie sagen, sie wollen dadurch schneller werden. Ich finde ja, dass die Zeit in den letzten Jahren schon viel zu schnell verging. Und jetzt reicht ihnen das immer noch nicht. Warum wollen die schneller werden? Wahrscheinlich möchten sie Zeit gewinnen. Klar, welche Firma will nicht Gewinn einfahren. Gewinn mit weniger Leuten? Da müssen die Übriggebliebenen ganz schön hinlangen, um alles recht zu machen. Meistens bleibt, in Anbetracht der Eile, dabei so manches auf der Strecke. Früher, als noch mehr Zeitarbeiter zur Verfügung standen, wurde sorgfältiger gearbeitet. Jemand hat mal gesagt: " Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit." Ja, das ist richtig. Darauf hätte man sich auch wortwörtlich stützen sollen. Wer nicht mit der Zeit geht. Es wird von "Gehen" gesprochen, und nicht von "Fliegen" oder "Fahren". Würde man sich am natürlichen Maß menschlichen Vorwärtskommens orientieren, dem Gehen, so würde Schritt für Schritt ein Fortschritt entstehen. Nicht überhastet, sondern in begreifbarer Schnelle. Niemand müsste entlassen werden, Sorgfalt würde wieder herrschen, und die Tagelöhner, Wöchnerinnen, Stundenten und Sekundanten könnten nach getaner Arbeit in den wohlverdienten Ruhestand gehen.

Was die vielen, die bereits entlassen wurden, wohl machen? Ich habe gehört, die haben jetzt viel Zeit. Einige von Ihnen, und die Anhänger werden immer mehr, haben die Zeit genutzt und über die Zeit nachgedacht. Die versuchen sich in der "alten" Gehweise. Sie kommen langsam voran, sind aber weiter in der Zeit.

Nächstes Jahr sind es genau 10 Jahre her, dass ich zu Ihnen gestoßen bin. Damals war ich mittelalt, also im Mittelalter. Seit dieser Zeit lebe ich diese Zeit, erkenne und erlebe viel. Ich treffe auch immer mehr, die mit der Zeit gehen, mit der richtigen Zeit.

Einen Gruß für 2006

So: Mit dieser phantasietastischen Wahrheit aus des Gauklers Kopf, möchte ich euch alle, dich ich kenne und die ich noch kennen lernen werde, einen Gruß in das neue Jahr 2006 zurufen. Mögen wir alle das richtige Maß für das Erleben unserer persönlichen Zeit finden.

Ende

 
     
 
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Neue Bleibe

 

Das Jahr, obwohl es sich dieser Tage noch unerwarteter Weise mit sonnigem Glanze umgibt, schreitet seiner Bestimmung folgend, dem Winterschlaf zu. Die Vorboten hierfür, Gevatter Sturm und die Gebrüder Nebel und Regen, lauern auf ihren Einsatz. Gaukler mögen diese Vorboten nicht. Auch ist ihnen der Winterschlaf nicht willkommen.

" Ihr könnt diesen Winter nicht länger hier wohnen", beschloss der neue Herr des Hauses. Blitz und Donner schlugen auf den Gaukler und die Prinzessin ein, denn solche Botschaften in Angesichts der kalten und sonnenarmen Zeit, gereichen wahrlich nicht zur Freude. Die Dringlichkeit der Suche nach einer neuen Bleibe forderte nun ihren ganzen Einsatz. Der Vorrat an Behausungen, der für den Beutel der beiden geeignet schien, erlag zunehmend dem Zorn der Zeit. So erfüllt das Leben unter freiem Himmel auch sein mag, eine warme Stube, ist die Sonne einmal bezwungen, ist nicht zu verachten.

Gesetze des Lebens haben schon mehrfach gezeigt, dass Entscheidungen, bei ausreichend zur Verfügung stehender Zeit, nichts desto Trotz bis in den letzten Moment verbannt werden. Diese beängstigende Enge treibt Entscheidungen schneller voran und bündelt sie mitunter in einem festem Entschluss, der dann gekrönt wird mit den Worten: "Gott sei Dank, in letzter Sekunde noch geklappt". Wohl haben dabei Verstand und Gefühl ihre Mächtigkeit vertauscht.

Ihr ahnt es schon: Der Gaukler und die Prinzessin werden weiterziehen. Sie packen ihre sieben bis acht Sachen auf den Karren und machen sich auf den Weg nach Altbach. Die beiden haben ein Schloss gefunden, ein Türschloss, dass ihnen sehr bald Einlass in die eigenen vier Wände gewährt. Die beiden sind guter Dinge, denn dem Unwetter des Lebens konnte noch rechtzeitig ein Riegel vorgeschoben werden, der fest verankert im Eisen, diesem Ungestüm den Einlass verwehrt.

Ist das Gebälk und Gemäuer erst einmal erneuert, werden die beiden im Februar des nächsten Jahres dort ihr zuhause finden. Genau von dort aus wollen sie dann erneut ihre Wege gehen, um auf den Märkten des Landes wieder vielen Gesichtern, vertraut oder neu, zu begegnen.

 
     
 
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Andalusischer Schinken

 

Und wieder einmal führte mich mein Weg zu einem Markte und Turney nach Königsbach/Stein, und dort geradewegs in das Lager der Kraichgau Highlander. Gastfreundschaft, wie es auf deren Banner steht, wurden meiner Prinzessin und mir gar herzlichst zuteil. So geschah es zur abendlicher Stunde, dass wir allesamt an der Tafel weilten, um die Beutestücke der Jagd, vom Feuer auf das Köstlichste für den Gaumen bereitet, unseren gierigen Wänste zu übergeben. Just in diesem Moment eilte der Kraichgau Herold, den man auch MacRusker nennt, lauthals herbei. Er kam geradewegs aus dem Lager der Nordlichter, einer Gruppe das Feuer und den Tanz beherrschender Gesellen, um nun Neues Kund zu tun: "Höret", so sprach er, "der Frank von den Nordlichtern hat Geburtstag. Morgen. Er zähltet dann 30 an Jahren.
Hierfür hat er ein gar feines Mahl geschenkt bekommen. Da ist ein andalusischer Schinken dabei, der eineinhalb Jahre dort abgehangen ist. Und ein weiters Jahr in unseren Landen. So wohlschmeckend und fein. Unglaublich. Die Schweine, die den Schinken zu Lebzeiten reifen ließen, wurden gar lieblichst behandelt und nur mit Eicheln gefüttert, auf dass nach ihrem Tod, diese Köstlichkeit als andalusischer Schinken den menschlichen Genüssen gereicht werden kann. Und einen Schafskäse hat er, nur vom Feinsten".

Was der Herold nicht wusste, war, dass kurze Zeit zuvor uns besagter Frank höchsteigen, eine Kostprobe des Schinkens samt Erklärung der Herkunft an den Tisch brachte. So nahm es die Runde am Tisch nicht Wunder, was der Herold zu berichten wusste. Dem eifrigen Erzähler fehlte es also an den nötigen Ahh`s und Ohh`s, das Erzählungen unglaublicher Geschichten üblicherweise anhänglich war. Nachdem nun der Falkner, dem man noch letztes Jahr solche Neuigkeiten gut erzählen konnte, nicht mehr in der Runde weilte, sah sich der Herold genötigt, sein Gesprochenes, dass, wie es ihm schien, nicht recht angekommen zu sein, erneut der Runde am Tisch mitzuteilen: "Hey", wiederholte er also. "Der Frank hat Geburtstag. Morgen. Er hing eineinhalb Jahre in Andalusien herum. Seit einem Jahr ist er wieder hier. Einen 30 Jahre alten Schinken brachte er mit, und ein paar Eicheln. Wenn ihr Schafe auch Käse wollt, dann seid ihr eingeladen. Alles vom Feinsten".

Kaum dass die letzten Worte des Herold`s Lippen verlassen hatten, wurde diesem, auch durch das heftige Gelächter der Tischgesellen, die Verkehrtheit bewusst. Eilig verließ er die Runde um im nächsten Augenblick noch einmal heranzutreten und folgendes dem Tische mitzuteilen: "Habt ihr gehört, der Frank hat Geburtstag". "Morgen", rief die Runde. Der Herold wieder: "Der Eichel hat ihm 30 Schweine geschinkt, aus Andalusien. Eines wurde vor eineinhalb Jahren hierher gebracht und lebt seit einem Jahr als Schaf. Käse, oder"? Der Tisch wackelte vor lauter Lachen. "He, Herold, was ist mit dem Frank, berichte", rief einer aus der Runde, den man Falk nannte. Erneut drehte sich der Herold um. Just in diesem Augenblick stand der Falk auf und hinterließ einen freien Platz an der Tafel. Er wollte sich geschwind ein Stück Fleisch holen. Der Herold kehrte mittlerweile zurück und begann: "Leute, der Frank hat Geburtstag". Dann sah er den leeren Platz. "Wo ist der Falk, wann kommt er wieder"? Alle riefen: "Morgen". Unbeirrt sprach der Herold weiter: "Seit 30 Jahren füttern sie dem andalusischen Schinken Eicheln. Den Schafen geben sie Käse. Das reicht für ein bis eineinhalb Jahre. Ihr könnt alle kommen".

Der Platz unter dem Tisch reichte nicht aus, um sich darunter zu lachen. Selbst der eifrige Redner, der zum wiederholten Male seine Neuigkeit berichtet hatte, verschaffte sich der Länge nach Platz im Grase und hob sich den Bauch vor lauter Gelächter. Jedoch der Ernsthaftigkeit seines Auftrages bewusst, fasste er rasch wieder Fuß, eine ernste Mine und legte erneut los: "He ihr andalusischen Schweine", sprach er. "Der Frank hat Geburtstag". Unter heftigem Gelächter nun alle: "Morgen". Er: " 30 Eicheln hat er mitgebracht. Wenn ihr ein bis eineinhalb haben wollt, dann nehmt eure Käsfüße in die Hand und Schaft euch dort hin". Er zeigte auf das Lager der Nordlichter. Das leichte Schmunzeln aller Zuhörer, das konstant über der Sache lag, brach erneut aus in einen Sturm lauten Gegröles. Da hinein legte der Herold nochmals seine Botschaft: "Der Frank hat Geburtstag. Armes Schwein. Morgen wird er hängen, mindestens eineinhalb Jahre in Andalusien und ein Jahr hier. Dann wird er zum Schinken. Doch vorher füttern sie ihn mit Käse. So locken sie die Schafe an. Eichelartige Geschichte".

Unglaubliches, aber doch Wahres geschieht in mittelalterlichen Landen. So will ich nun das Geschichtlein hier beenden. Seid versichert, dass in der lustigen Runde noch eine Vielzahl an Varianten den Abend schmückte. Dies ist kein Märchen, doch wenn sie nicht gestorben sind, dann höret immer wieder eine nette Begebenheit oder auch phantasievolles Geschreibe aus der Feder des Gauklers.

Dem Frank wünsche auch ich, dass ihm sein Geburtstag mit dem 30jährigen andalusischem, käsfußstinkendem Eichelschwein ewig im Gedächtnis bleibt.

 
     
 
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Erwachen

 

Zunehmends gewinnt die Sonne an Macht und scheint den Kampf gegen die kalten, kurzen Tage für sich zu entscheiden. Sie versprüht ihren Charme und lockt das Grün der Pflanzen und das Bunt der Gewächse aus der Erde. Auch scheint eben diese Photosynthese den Gaukler zu neuem Leben zu erwecken. Zwar hat die gute warme Stube, das weiche Federkissen mit all seinen Reizen, gleichen Anteil am Wohlbehagen des Lebens, doch schickt besagter chemische Prozess das Tun und Handeln des Gauklers nun nach Draussen. Die Gewänder, ebenfalls bereit, einst Gelebtes den Augen sichtbar zu machen, warten auf ihren Einsatz. Der Karren, der regunglslos und unbeachtet dem Dunkel des Gewölbes anvertraut war, wird nun ans Lichte geholt und befreit von der Spinnen Tagwerk. Das Werkzeug des Gauklers der Kiste anvertraut, aus der er sich geschickt zu bedienen weiß, die Geschichten aus den schlummernden Gängen des Gehirnes an die Oberfläche gespült, soll es nun an der Zeit sein, sich auf den Weg zu begeben, gute bekannte, aber auch neue Gesichter zu treffen. Doch wer den Gaukler sieht, sieht nur den halben Gaukler. Erst die Prinzessin an seiner Seite verhilft der Geschichte zu einem Ganzen. All ihr Leut, so ihr nun Lust habt auf die beiden zu treffen, so ziehet ebenfalls los und überlasst es dem Schicksal, wann und wo es geschehen soll.

So nehmet nun diesen Gruß von uns beiden und freut euch auf die neue, vergangene Zeit.

 
     
 
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Gaukler, kaufst du mir Spätzle ?

(Nun, was tue ich hier Kund: Witziges aus Kindermund)

 

Im Jahre des Herrn 2004, auf der Feste zu Hohenbeilstein, sollt auf dem zu dieser Jahreszeit grün gefärbten Rebenhügel, ein Markt abgehalten werden, wie er es schon die Jahre zuvor zum Wohle der Kaufleut, zur Bestaunung für die Neugierigen, zur Belustigung der Seele, zum Wohle des Geistes und dessen Erholung, stattgefunden hat. Wen nimmt es Wunder, dass sich an dortigster Stell auch Bernhard der Gaukler mit seinem knarrenden und scheppernden Karren einfand. Wie all die Jahre zuvor erleuchtete und erwärmte die Sonne die Anhöhe und verwöhnte so den Markt auf seine besondere Weise. Inmitten des bunten Treibens hatte dort auch eine Bogenbauerfamilie ihr Lager aufgeschlagen. Noch jung an Jahren, rockzipfelten da bereits zwei Bälger umher, die ihrer Lust entsprungen waren. Beide waren es blonde Lockenköpfe, deren munteres Geschau noch keine fünf Jahre diese Welt eroberten. Die Eltern riefen sie Robin und Noah.
So trug es sich zu, das diese beiden Racker, grad als Gaukler Bernhard sich anstellte, ein Geschichtlein zum Besten zu geben, an vorderster Stell ihren Platz behaupteten. Sie behorchten und bestaunten sein lustiges Tun. Und ob es nun die Künste des Gauklers waren oder eher, das Naschwerk, das zum Ende der Darbietung seinen Weg zu den beiden fand, hatten die Burschen von Stund an Gaukler Bernhard als Freund auserkoren. Es schien ihm auch keine Mühe zu bereiten, sich diesen beiden geduldig anzunehmen. War er doch selbst in jungen Jahren, ähnlich denen der Bogenbauer, der Aufzucht dreier leibeigenster Zöglinge verpflichtet. Immer wieder, wenn die Äuglein von Robin und Noah den Gaukler erspähten, kamen sie gerannt, um bei ihm zu verweilen, ihn mit Fragen zu attackieren und, wohl auch, um ihre Lust auf eine kleine Süßspeis zu befriedigen. Eine große Freude bereitete es den Beiden, wenn er sie auf die Kiste seines Karrens setzte, um sie über den Markt zu ziehen. Zusammen mit der Prinzessin, stets an des Gauklers Seite, die Bälger auf der Truhe, konnte man meinen, nicht nur des Blondschopfes wegen, des Gauklers eigene Frucht sitzt hinten auf. Was Kindermund in diesem Alter oft von sich gibt, nicht überlegt, nicht zensiert, aus dem Bauch heraus, ehrlich und gerade, birgt mitunter eine Denkweise, die so manchem erwachsenen Hirn abhanden gekommen zu sein scheint. Also plapperten die Beiden munter darauf los und teilten sich in ihrer pfiffigen Weise mit. Inmitten der vielen Erzählungen und Fragen der Kleinen hat sich eine, von Noah gestellt, besonders in des Gauklers Kopf auf amüsante und bleibende Weise niedergelassen. Die Frage, die den Gaukler traf, kam unvermutet, klar und eindeutig : "Gaukler, kaufst du mir Spätzle?"

Ein kleiner Lausbub in mittelalterlicher Kutte, hatte wohl einen großen Freund gefunden und suchte über ihn in listiger aber ehrlicher Weise einen Weg, an die Speis zu gelangen, die ihm die Eltern, wohl auf Grund der eigenen Küche, versagten.

Was will uns die Geschichte also sagen?
Schmeckt nicht die Speis an manchen Tagen, musst du mal den Gaukler fragen.

 
     
 
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Nikolaus – auch ein Gaukler?

 

Nun lauschet einmal den Worten des Nikolaus, der einst erst spät in einer Stadt angekommen ist, wo die Kinder doch schon so sehnsüchtig auf ihn gewartet haben. Das hatte einen guten Grund. Wie ihr wisst, hat der gute Mann in dieser Jahreszeit alle Hände voll zu tun.

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Ich grüße euch ihr Lieben. Kennt ihr mich? Man nennt mich den Nikolaus. Nun hört mir gut zu, was ich zu erzählen weiß. Eines Tages ist mir wirklich etwas ganz eigenartiges passiert.

Gerade war ich unterwegs zu einer Stadt, in der viele Kinder lebten, die sehr, sehr arm waren. Da ich dies wusste, habe ich meinen Sack reichlich gefüllt mit Nüssen, Äpfeln, Orangen, Lebkuchen und allerlei Gebackenem, um ihnen etwas Gutes zu tun. Kurz vor der Stadt kam ich durch einen Wald. Ein Sturm kam auf, und ein mit Schnee beladener Ast brach hernieder und donnerte mit Getöse auf die Erde. Die Schneeflocken spritzten auseinander. Die Rentiere, die meine Kutsche zogen, scheuten auf und brüllten laut. In Panik geraten, rasten sie von dannen. Ich hatte große Mühe mich in meiner Kutsche zu halten. Nach 100 Metern erst brachte ich die Tiere zum Stehen. Jedoch mein übervoller Sack war umgekippt, und all die schönen Sachen lagen nun weit verstreut im Schnee. Oje, dachte ich, auch das noch. Jetzt komme ich bestimmt zu spät. Aber es half nichts, und so fing ich an, alles wieder einzusammeln. Gerade als ich meine Kapuze, die mir unentwegt über das Gesicht rutschte, wieder einmal zurückgestreift hatte, erkannte ich auf einmal einen großen, dürren Mann am Wegesrand. Wortlos stand er da und begann mir beim Einsammeln zu helfen. Das Erstaunliche war, dass er so flink war, und meinen Sack in Windes Eile wieder gefüllt hatte. Es schien gar so, als wenn er 4 oder 5 Hände gehabt hätte, so schnell und gewandt war er. Noch nie hatte ich so etwas gesehen. Die Äpfel und Nüsse flogen durch die Luft, gekonnt fing er sie auf und mit gezieltem Wurf fanden alle wieder ihren Platz in meinem Sack. Ich bedankte mich bei ihm für seine Hilfe und fragte wohin er des Weges war. "Schon viele Menschenleben lang ziehe ich nun durch die Welt," sprach er, " gerade so wie du. Doch, im Gegensatz zu dir, bin ich das ganze Jahr hindurch auf der Reise von Stadt zu Stadt. Alles was ich dafür brauche ist hier in meinem Wagen drin", und er zeigte auf sein Gefährt. " Was ist das für eine Kiste auf deinem Wagen", fragte ich ihn. " Da befindet sich so allerlei Nützliches und Unnützes darin. Wer weiß schon, welches Ding brauchbar, und welches ohne Wert ist. Was dem einen ein alter Kram, ist dem anderen noch von gutem Nutzen." "So bist du ein Händler und bietest deine Waren zum Kaufe feil," sprach ich zu ihm. Er aber schüttelte den Kopf und erwiderte:" Die einzige Ware, die ich mit mir führe, habe ich hier drinnen und hier," dabei deutete er auf sein Herz und seinen Kopf. Leider konnte ich ihm nicht ganz verstehen, was er damit meinte, doch war ich in Gedanken auch schon wieder in meiner Kutsche, denn ich musste ja noch zu den Kindern, die bereits sehnsüchtig auf mich warteten. "Komische Kauz", dachte ich, und bestieg meine Kutsche um meine Fahrt fortzusetzen. Die Rentiere setzten sich in Gang. Nach wenigen Metern drehte ich mich nochmals um, denn ich wollte doch noch seinen Namen erfragen. Aber er war bereits schon nicht mehr zu sehen.

Als ich ich endlich in der Stadt ankam, da strömten die Kinder schnell herbei. Sie begrüßten mich warmherzig, nannten mir ihren Namen, erzählten mir allerlei Dinge, die ihnen als das Interessanteste überhaupt erschienen und überreichten mir Bilder, die sie extra für mich gemalt hatten. Es war eine Freude, ihnen in ihre erwartungsvollen Gesichter zu schauen. Für einen jeden hatte ich natürlich auch etwas mitgebracht. Apfel, Lebkuchen, Nüsse, Schokolade. Kaum dass sie sich bei mir für die Gabe bedankt hatten, machten sie sich auch schon über ihr kleines Geschenk her. Es war nicht viel, was ein jeder erhielt, und doch strahlten ihre Augen. Nicht zuletzt auch aus Freude auf die bevorstehende Zeit.

"Hast du uns auch eine Geschichte mitgebracht?" hörte ich auf einmal ein kleines Mädchen zu mir sagen. "Ja, eine Geschichte" riefen die anderen, "so wie der Bernhard sie zu erzählen weiß." "Eine Geschichte wie sie der Bernhard erzählt?" Ich war einen Moment irritiert. "Ich kenne keinen Bernhard" sprach ich. "Du musst ihn doch eigentlich kennen. Er zieht so wie du übers Land und bringt den Menschen seine Geschichten mit. Er erzählt sie auf seine besondere Weise, mit Worten und mit seinen Händen. Er ist ein Geschichtenerzählongleur", informierte mich ein rothaariger Junge. "Geschichtenerzählongleur, eigenartig," dachte ich mir. "Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, was das sein soll."

"Eine Geschichte, eine Geschichte, so wie von Bernhard" tönte es nun aus vieler Munde. Ich gebe zu, ich war leicht verstimmt, denn einerseits sind meine Geschichten auch nicht ohne, andererseits hatte ich eigentlich gar keine Zeit mehr für eine Geschichte. Mein Sack war leer, und ich musste noch einmal zurück, um ihn für meinen nächsten Besuch zu füllen. "Und überhaupt, dann soll doch dieser Bernhard eben eine Geschichte zum Besten geben". Ich war gerade dabei mir zu überlegen, wie ich den Kindern sagen könnte, dass für eine Geschichte leider keine Zeit mehr wäre. In der nächsten Stadt warteten sie ebenfalls schon auf mein Kommen, als auf einmal der lange, große, dünne Mann, der mir so hilfreich im Wald zur Hand ging, mit seinem Wagen und der Kiste oben drauf um die Ecke zog. Die, die ihn kannten, riefen freudig: "Der Bernhard, der Bernhard" und rannten zu ihm hin. Die anderen trieb die Neugier hin. "Die Ware in seinem Kopf und in seinem Herz", erinnerte ich mich, "Geschichtenerzählongleur, eigenartiges Gebaren"! Zwar wäre jetzt die Möglichkeit gewesen mich unbemerkt von dannen zu schleichen, doch irgendwie war auch ich gefesselt von der Neugier, was dieser Bernhard wohl den Kindern mitgebracht hatte. Sie standen um ihn herum und ihre Augen ließen nicht von ihm ab.

Er öffnete seine Kiste, holte ein paar Sachen heraus, und begann sie durch die Luft zu wirbeln. Gekonnt fing er sie wieder auf. Bälle, Keulen, Fackeln, aber auch andere Dinge wie Kartoffeln, Äpfel, Eier und Pfannen bahnten sich ihren Weg durch die Luft. Und alles landetet immer wieder in seinen Händen. Ein Jongleur dachte ich mir. Auf einmal begann er eine Geschichte zu erzählen. Es schien mir gar, als ob seine Bälle und Keulen seine Worte begleiteten. Aha, ein Geschichtenerzähler und Jongleur: ein Geschichtenerzählongleur.

Ich war so begeistert, dass ich ganz die Zeit vergessen hatte. Eigentlich hätte ich schon längst weiter müssen, jedoch ich war gänzlich fasziniert von seiner Kunst.

Ich sah noch vieles mehr. Aber davon will ich euch jetzt nicht berichten. Das müsst ihr euch alle schon selber anschauen. Nach seiner Vorstellung ging ich zu diesem Bernhard und fragte ihn, ob er sich noch an mich erinnert. Er nickte freundlich. Wir unterhielten uns angeregt, ein lange Zeit, Stunden, Tage, Jahre, Jahrhunderte.

So sieht man uns immer wieder, mal zusammen, mal alleine, ich mit rotem Mantel und schwarzen Stiefeln. Er, der Bernhard, mit einer Hose aus einem roten und einem schwarzen Bein.

 
     
 
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Der Ursprung

  So trug es sich zu, dass ich an des Königs Hofe bestellt wurd, um mit allerlei Kurzweil der Gesellschaft dienlich zu sein. Es waren viele Gäst geladen und alle zeigten sich im feinsten Gewande. Speis und Trank zierten reichlich die Tische. Kerzenlicht erhellte den Saal, der Wein die Gemüter. So erfreute mein Spiel, auch zu meiner eigensten Zufriedenheit, den König und die Festgesellschaft.

Indess wurd ich des Königs Töchterlein gewahr. Während und selbst nach dem Spiel fanden meine Äuglein Platz auf ihrem Antlitz. Konnt ich doch der Gesellschaft das Lachen entlocken, so wurd mir die Zeit Gehilfe, der Prinzessin Herz zu gewinnen. Jedoch, welch traurig Schicksal fiel mir anheim. Ich war nicht in des Königs Plan, sein Töchterlein betreffend, vorgesehen. Mit Hilfe eines Dolches ließ er meinem Leben ein schnelles Ende setzen.

So früh und unerwartet ich die Welt verließ, habe ich sie 500 Jahre später wieder betreten. Nach langer Reise, und dies ist für fahrendes Volk nichts ungewöhnliches, bin ich auf die Quell meiner Geschichte gestoßen. Meiner Bestimmung folgend seht ihr mich heute erneut als

Bernhard der Gaukler.

Steht euch der Sinn nach Kurzweil und Gaukelei, dann haltet Ausschau nach mir auf Märkten und Plätzen, dort wo Menschen, gleich welchen Standes, sich einfinden zu fröhlich und interessantem Miteinander.

Und wenn ihr fragt, was aus der Prinzessin geworden ist, dann sprecht mich an, wenn ihr mich seht. Ein Reim aus meinem Mund will es euch gerne berichten.

 
     
 
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